In der Bevölkerung herrscht ein großes Interesse an einer natürlichen medizinischen Versorgung mit wenig schädigender Wirkung, vor allem an Arzneimitteln, die möglichst frei von unerwünschten Arzneiwirkungen (UAW) sind. In Umfragen mit signifikanten Stichproben äußern sich so bis zu 3/4 der Befragten in Deutschland (Jeitler et al., 2024; Gehrke, 2024).
Gerade in Apotheken ist die Frage nach möglichst schadstoff- und nebenwirkungsfreien Präparaten mit natürlichem Ursprung häufig: „Haben sie nicht was Pflanzliches oder was Homöopathisches, was da auch helfen kann?" „Gibt es da was Alternatives, was Ganzheitliches, was nicht so schädlich ist?" „Haben Sie was Natürliches zum Abnehmen?".
Ältere Menschen, Schwangere, stillende Mütter und Eltern kleiner Kinder möchten nicht für jeden Anlass wiederholt Schmerzmittel und Antibiotika als einzige Antwort auf die Frage nach therapeutischen Lösungen hören.
Seltener, aber gezielter wird auch nach regulativen Arznei-Produkten für den Säure-/Basenhaushalt, zur Darmreinigung oder grob zur Entgiftung oder auch Ausleitung genannt, gefragt.
Angebote naturheilkundlicher Behandlungen in Arzt- und Heilpraktikerpraxen, die sich auf alternative Verfahren wie Mikronährstofftherapie, komplexe Labordiagnostik, Darmreinigung usw. spezialisieren, erweitern das Angebot.
Hinzu kommen Angebote an anthroposophischen und homöopathischen Therapien mit eigenen Wirkstoff Präparaten von Komplex- und Einzelmitteln sowie eine ausgedehnte traditionelle Phytotherapie. In den letzten 10 Jahren hat die Osteopathie das traditionelle manualtherapeutische und chiropraktische Diagnose- und Therapieangebot erweitert und ergänzt. Einen eigenen Bereich nehmen auf traditionelle chinesische Medizin (TCM) spezialisierte Praxen ein, in größeren Städten finden sich auch vereinzelt Angebote für die ayurvedische Medizin.
Bei all diesem Interesse und einer unübersichtlichen Vielfalt an Angeboten herrscht ein großes begriffliches Durcheinander. Es mangelt an übergeordneter Gesundheitskompetenz und einem entsprechenden Management. Da das Denken mit der korrekten Zuordnung von Inhalten beginnt, soll hier eine differenzierte Gliederung vorgestellt werden.
Nach einer kurz gefassten Definition der Naturheilkunde, wird ein Überblick über die Theorie zur traditionellen europäischen Naturheilkunde (TEN) und die Modelle ihrer Wirkprinzipien vorgenommen. Die unterschiedlichen Denkansätze zur konventionellen Medizin werden vergleichend vorgestellt.
In der folgenden kurzen Übersicht werden die Termini wie „alternative, komplementäre, integrative Medizin“, „Außenseitermethode“, „Naturopathy“ und „besondere Therapierichtungen definiert und ihre gängigen Diagnose- und Therapieverfahren vorgestellt.
Zum Abschluss wird die rechtliche Stellung naturheilkundlicher und alternativer Verfahren in Deutschland erläutert. Geplant ist darüber hinaus, einige der bedeutenden Verfahren genauer hinsichtlich ihrer Möglichkeiten, Wirkmodelle und Anwendungsgebiete zu differenzieren. Auch soll - wo vorhanden - jeweils der aktuelle Stand der Forschung diskutiert werden.
Gehrke, M. (2024, März 20). Nutzung und Akzeptanz von Naturheilkunde und KIM in Deutschland. https://www.carstens-stiftung.de/nutzung-und-akzeptanz-von-naturheilkunde-und-kim-in-deutschland.html. Verfügbarkeit geprüft am 17.4.2025.
Jeitler, M., Ortiz, M., Brinkhaus, B., Sigl, M., Hoffmann, R., Trübner, M., Michalsen, A., Wischnewsky, M., & Kessler, C. S. (2024). Use and acceptance of traditional, complementary and integrative medicine in Germany—An online representative cross-sectional study. Frontiers in Medicine, 11, 1372924. https://doi.org/10.3389/fmed.2024.1372924